Informationsreise nach Berlin: Besuch der internationalen Konferenz für gleichwertige und gemeinsame elterliche Verantwortung

Der auch mit Sozialthemen beschäftigte Kommunalpolitiker schaut selten über den Tellerrand der Problematiken seiner eigenen Stadt. Um keinem Tunnelblick zu erliegen, besuchten Vertreter der Fraktion Allianz für Gelsenkirchen (FAG) daher kürzlich die internationale Konferenz für gleichwertige und gemeinsame elterliche Verantwortung, zu der der Botschafter der Tschechischen Republik in Kooperation mit der Kanzlei Rudolph in Koblenz in die Räume der Tschechischen Botschaft nach Berlin eingeladen hatte.

Kern der Diskussion und Hauptthematik der Konferenz war die Resolution des Europarats Nr. 2079 vom 2. Oktober 2015, die zu erheblichen Verwerfungen gerade im bundesrepublikanischen Recht führen könnte. Die Onlinezeitung LTO berichtete damals: „In ihrer Sitzung vom 2. Oktober 2015 verabschiedete die parlamentarische Versammlung des Europarates in Straßburg eine Resolution [2079 (2015)], die das deutsche Familienrecht in dessen Grundprinzipien erschüttern könnte: Von den Mitgliedstaaten in einem Verhältnis von 46 Ja-Stimmen zu 0 Gegenstimmen wurde dort die Verankerung des sogenannten Wechselmodells als künftigem Betreuungsmodell für Kinder getrenntlebender Eltern als Gestaltungsauftrag für die Zukunft beschlossen.“ Dies würde bedeuten, daß Eltern die Kinderbetreuung bei einer Trennung paritätisch aufteilen sollten. Gerade bei der sehr Mutter-konzentrierten deutschen Sichtweise wäre das eine völlige Umkehr der bisherigen Vorgehensweise.

Kein Wunder, so war die Konferenz außerordentlich gut besucht. Nachdem der Botschafter der Tschechischen Republik,Tomas Podivinsky, die Teilnehmer begrüßt hatte, referierten hochrangige Referenten zum Thema. Es sprachen unter anderem Jürgen Rudolph, Initiator des „Cochemer Modells“, Dr. Marc Serafin, der sich kritisch mit der Arbeit der Jugendämter auseinandersetzte sowie Ursula Kodjoe und andere. Besucher der Tagung waren vor allem Mitarbeiter von Jugendämtern, Beistände für Kinder, Therapeuten, Akteure aus der Politik und der Jugendhilfe, aber auch betroffene Mütter und Väter.

Neben den hochinteressanten interdisziplinären Diskussionen war vor allem ein internationaler Vergleich verschiedener EU-Länder interessant. In Workshops konnten die Teilnehmer zudem ihre Erfahrungen einbringen, sich austauschen und letztlich viel neuen „Input“ für die jeweilige Arbeit vor Ort mitnehmen. So sollen Ergebnisse künftig auch auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen diskutiert und eingebracht werden.

„Ich bin überwältigt von der Kompetenz. Wenn man in der Regel mit örtlichen Beteiligten zu tun hat, kommt man sich vor, als fehle Kompetenz, wobei das Fehlen durch Einseitigkeit, einer „das-war-schon-immer-so“-Haltung ausgeglichen wird. Davon war hier auf der Konferenz nichts zu spüren, im Gegenteil, die Teilnehmer machten einen engagierten Eindruck und vertraten den Willen, frischen Wind in die Sozial- und Familienpolitik zu bringen“, erklärte der Vorsitzende der Fraktion Allianz für Gelsenkirchen Kevin Hauer, der die Konferenz besuchte.

„Wir als FAG werden die vielseitigen Erkenntnisse unter anderem in den Jugendhilfeausschuss (Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie) einbringen und hoffen, damit den verkrusteten Strukturen in unserer geliebten Rheinmetropole neue Impulse geben zu können, das versprechen wir“, kündigte Hauer abschließend an.

FAG_ADMIN am 27. Juni 2019

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