Oberbürgermeister Baranowski verweigert sich der Wahrheit: Was nicht sein soll, wird einfach ausgeblendet?

Es ist wie ein Stück aus dem Lehrbuch autoritärer Systeme: Wenn Wahrheiten ausgesprochen werden, diese aber nicht genehm sind, tut man – also die Herrschenden – was? Diejenigen, die die Wahrheit aussprechen einfach diskreditieren. Man blendet ihre Erkenntnisse einfach aus. Nun geht es in diesem Fall nicht etwa um die Türkei und ihren Despoten Erdogan oder einen Stammes-Häuptling in Afrika, nein, es geht um den demokratisch gewählten Oberbürgermeister Baranowski der Ruhrmetropole Gelsenkirchen! Was ist geschehen? Zum wiederholten Male ist die Stadt in Rankings verschiedener Umfrageinstitute auf dem ersten Platz gelandet.

Was sich gut anhört, ist aber nicht der Fall: Es geht um Negativrekorde. So führt eine aktuelle Bertelsmann-Armutsstudie Gelsenkirchen als Spitzenreiter. Auch andere Negativrekorde werden durch die Stadt angeführt. Das gefällt natürlich den seit Jahrzehnten Herrschenden der Stadt nicht, sind die Negativrekorde doch ein Zeichen für fortgesetzte Unfähigkeit. Wenn eine Partei nahezu seit Bestehen der Bundesrepublik eine Stadt regiert, die Verwaltung dominiert und diese Stadt nicht von ihren Problemen befreit, kann man doch eingestehen, daß man unwillens oder unfähig ist. Mitnichten Herr Baranowski, dieser will die Studien einfach boykottieren. Und nicht nur er, sondern auch (SPD-)Bürgermeister anderer Ruhrgebietsstädte. Der WESTEN schreibt: „Nun hat das Ruhrgebiet die Nase voll. Sie sagen den Studien den Kampf an. Alle Kommunen und Städte haben angekündigt, zwei ZDF-Studien, den Familien- und Seniorenatlas, zu boykottieren. „Da machen wir nicht mit“, kündigt Martin Schulmann, Sprecher der Stadt Gelsenkirchen, an. Denn andere Ruhrgebietsstädte schneiden bei den Studien nicht besser ab.“

„Das ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten“, findet Kevin Hauer das Vorgehen der Bürgermeister und insbesondere des Gelsenkirchener Stadtoberen Baranowski. Der Vorsitzende der Fraktion Allianz für Gelsenkirchen (FAG) ist entsetzt über den Plan, die Wahrheit auszublenden: „Das ist ein absurdes Affentheater. Jeder, der in Gelsenkirchen wohnt, weiß um die Probleme. Mit der Weigerung, den Studien zuzuarbeiten, macht man sich bei der Stadt sein eigenes Wolkenkuckucksheim. Da wird die Realität einfach ausgeblendet. Die „Uns-geht-es-in-Gelsenkirchen-gut“-Romantik des Herrn Baranowski, die er gerne verbreitet, bekommt nämlich im Vergleich mit anderen Städten große Risse.“

Angeblich würde das ZDF und die beauftragten Umfrageinstitute verschiedene Tatsachen nicht berücksichtigen. So heißt es im WESTEN vonseiten der Stadt „Die Stadt Gelsenkirchen wirft der Studie vor, daß vorhersehbar sei, wer letztlich wieder ganz unten im Ranking landet. „Wir halten die Methoden der Studien, gelinde gesagt, für fragwürdig“, erklärt Stadtsprecher Schulmann. Er beklagt: „Es ist ein absolut oberflächliches Abfragen von Parametern. Da denkt sich jemand Fragen aus und konzipiert daraus ein Gesamtbild.“ Dabei wirft er den Machern keine böswillige Systematik vor. „Wenn wir eine hohe Arbeitslosigkeit, einen hohen Anteil an Hartz-IV-Beziehern, Kindern in Armut und Altersarmut haben, dann bekommen wir vier Mal die schlechteste Punktzahl – obwohl wir etwas machen“, ärgert sich Schulmann. Andere Bereiche, in denen die Stadt gut sei, fallen somit hinten über.“

„Tja, warum das ZDF oder die Umfrageinstitute Vorbehalte gegen Gelsenkirchen haben sollten, erschließt sich mir nicht. Und die Verteidigung durch den Sprecher der Stadt bestätigt offenkundig, daß es auf Seiten der Stadt eine gehörige Portion Realitätsverlust gibt. Natürlich fühlen sich angestammte Bürger unwohl, wenn sie sich zunehmend fremd im eigenen Land fühlen. Das führt eben zu einer Abwertung der Lebensqualität. Die Anzahl der Fremden zu reduzieren, würde eben zu mehr Lebensqualität führen. Das ist so, da braucht man sich nur auf der Straße umzuhören. Aber auf die Idee kommt man nicht, eher werden unangenehme Wahrheiten unterdrückt. Aber wir versprechen, auch künftig die Finger in die Wunde zu legen“, schließt der langjährige Kommunalpolitiker versprechend.

FAG_ADMIN am 22. Mai 2019

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